Schlagwort: liebevoll

  • STAY SOFT

    STAY SOFT

    Im späten Teenie-Alter war ich eine sehr ängstliche Person. Oft fühlte ich mich missverstanden und ich hatte wenig Vertrauen. Wegen krankheitsbedingten Gründen und wegen schweren Ereignissen, die ich nicht richtig verarbeitet hatte, traute ich den Leuten in meinem Umfeld nicht wirklich. Ich traute nahestehenden Personen wie auch meinen Ärzt*innen kaum, geschweige denn, Mitschüler*innen oder der Gesellschaft an sich. Meine Psyche war sehr instabil. Ich konnte weder den Druck der Schule oder mein tägliches Leiden noch die Negativität dieser gewaltsamen, kalten Welt ertragen. Im Gegenzug zu schwierigen Situationen, begann ich einen eigenen, trotzigen Hass auf alles und die Welt zu entwickeln. Dieser Hass liess mich ein bisschen kaputt gehen.

    Als ich ein paar Jahre später eine neue Therapeutin hatte, zu der ich erstmals etwas wie Vertrauen aufbauen konnte, löste sich dieser Hass Stückchen um Stückchen. Sie gab mir dafür Zeit. Es brauchte einige Jahre, um ein Teil meiner Angst loszuwerden. Schritt für Schritt kämpfte ich mich zurück ins Leben. Oder sagen wir ich fing an, mir ein lebenswertes Leben aufzubauen. Schon sehr früh waren die Umstände nicht gerade ideal gewesen. Diese Umstände waren grössten Teils nicht meine Schuld, dass weiss ich mittlerweile. Dennoch bildete sich daraus eine negative Einstellung und das lag in meiner eigenen Verantwortung.
    Mein Weg wurde mit der Zeit einfacher. Mit jedem Schritt, bei dem ich an mir arbeitete, öffnete sich eine neue Tür und mein Leben fühlte sich insgesamt immer angenehmer an.
    Diese Arbeit an mir selbst beinhaltete, wieder weich zu werden. Das Ziel war ein sanfterer Umgang mit mir selbst, im praktischen wie emotionalen Sinn. Egal, ob es um Schlafhygiene, bewussteres Denken, Ernährung, Alltag oder später dann auch Abstinenz ging. Eine liebevolle Haltung zu erarbeiten, zu mir selbst wie zu anderen. Meine damalige Therapeutin nannte diese Arbeit für ein besseres Leben, Arbeit an meiner Selbstfürsorge. Und nur wer für sich selbst sorgen kann, kann auch für andere Wesen da sein.

    So verging die Zeit und die Arbeit wurde nicht weniger. Aber sie fing an, sich auszuzahlen. Und ich wurde besser darin. Irgendwann begriff ich, dass ich nicht hart werden darf. Es war nicht fair, meiner Familie, meiner Therapeutin und allen Menschen, denen etwas an mir liegt, gegenüber. Aber auch, und das finde ich fast am wichtigsten, mir selbst gegenüber. Ich schuldete es mir, es wenigstens zu probieren. Ich bin nicht schuld an den Dingen, die mir passiert sind, je kleiner ich war, desto weniger Schuld trug ich. Für mein Glück, meine Genesung und Wohlbefinden bin ich jedoch verantwortlich. Ich bin jetzt ein erwachsener Mensch, ich entscheide welche Energie ich der Welt beifüge und wie ich mich behandle.

    Weich zu bleiben, heisst für mich nicht, dass man in jedem Moment alles richtig denkt, sagt oder tut. Für mich hat es aber viel mit Reflektion zu tun. Denn nur wenn ich meine Intensionen und meine Handlungen überdenke, kann ich es in der nächsten Situation besser machen. Und ich will es gut machen, ich glaube auch darum geht es in der Weichheit für mich. Ich darf nicht zulassen, dass das Schlechte dieser Welt mich bitter, hasserfüllt oder unmenschlich macht.

    Es heisst für mich, dass ich Selbstliebe praktizieren muss, so gut es geht. Auch wenn zum Beispiel mein Aussehen nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht oder meine zappelige Art bei gewissen Leuten aneckt. Es heisst auch, dass ich zärtlich sein will, zu den Menschen, die ich liebe. Und feinfühlig, mit allen Personen und Tieren, denen ich begegne. Dass ich die Menschen in meinem Umfeld auch dazu ermutige und sensibilisiere und dass ich auch in schlechten Zeiten versuche, meinen Fokus auf das Gute zu richten. Ich will mir Mühe geben, offen zu sein, auch den Personen gegenüber, die einen anderen Blickwinkel haben. Weil sie kulturell, familiär, geografisch, interessenbezogen, emotional oder rein körperlich anders sind als ich es bin. Denn andere Menschen haben andere Fähigkeiten. Und das ist wichtig.

    Ich finde es notwendig, dass wir empathisch sind. Dass wir für uns einstehen. Dass wir für andere einstehen, wenn wir Kraft genug haben. Dass wir uns Mühe geben und einander richtig zuhören. Wir müssen nicht alles verstehen, aber wir sollten es versuchen.
    Wir sollten mit und durch Liebe handeln und Mitgefühl pflegen. In so einer Welt und neben solchen Menschen möchte ich leben.
    Für mich ist Verletzlichkeit eine Stärke. Wenn man weich bleibt statt zu verhärten.

  • SPREAD LOVE

    SPREAD LOVE

    Der Begriff «Spread Love» wurde stark durch die Hippie-Bewegung der 60er/70er geprägt, eine Bewegung gegen Gewalt und Krieg. Später wurde er ein Pop- und Social-Media-Slogan und wird oft als Hashtag genutzt. Ja, auch meine Social-Media und mein Blog sind nach diesem Slogan benannt. Doch für mich ist dieser Satz alles andere als leicht, im Gegenteil, er trägt grosses Gewicht in meiner persönlichen Moral und somit bestimmt er unter anderem die Art, wie ich mein Leben führen will. «Spread Love» ist einer meiner persönlichen Werte.

    Als ich die Kantonsschule besuchte im Alter von etwa sechszehn Jahren, war ich in einem Freundeskreis mit anderen, gleichaltrigen Mädchen. Sie besuchten dieselbe Schule wie ich, waren jedoch nicht in meiner Klasse. Viele von ihnen kannte ich schon aus der Sekundarschule in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin.
    Ich erinnere mich nicht unbedingt gerne an diese Freundschaften zurück, da sie für mich oberflächlich im Gefühl blieben. Wir gingen zusammen in den Ausgang, wo wir dann meistens die Jungs aus unserem Jahrgang trafen und übernachteten anschliessend auch oft beieinander in einer kleinen Gruppe. Das Thema Jungs war zu dieser Zeit immer präsent und machte einen riesigen Teil unserer Gespräche. Ansonsten kann ich mich erinnern, dass ich allgemein kein grosses Vertrauen in diese Freundinnen hatte und wie es in diesem Kreis normal war, dass jede über jede etwas zu sagen hatte (vor allem wenn diejenige nicht dabei war) und wie sich ständig in das Leben aller der Gruppe eingemischt wurde.
    In diesem Alter hatte ich bereits einen Account auf Instagram. Es war die Zeit in meinem Leben, in der ich meine Liebe zur Hiphop- und Rapmusik entdeckte. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich und den Songtexten von Oldschool-Liedern zuzuhören war für mich eine Art abschalten zu können. Da schnappte ich das erste Mal die Worte «Spread the Love» auf und trage sie bis heute in meinem Kopf und Herzen. So kam es, dass ich sie in die Biografie von meinem damaligen Instagram-Account schrieb.
    Eines Tages an einem Wochenende, waren wir bei einer Freundin zuhause und machten uns bereit für den Ausgang. Da machte sich ein Mädchen lustig über meine Insta-Bio und sagte in einem lächerlichen Unterton: «Spread the Love! Ja genau, spreade und verteile sie einfach so allen in der Welt!» Sie meinte es zynisch und machte klar, dass Liebe für sie etwas war, mit dem man sparsam umging und dass man darauf achten sollte, wann und wem man sie gab.
    Als meine damalige Freundin das zu mir sagte, dachte ich mir nur so: Ja. Genau darum geht es! Damals wurde mir klar, dass wir ein völlig anderes Verständnis von Liebe hatten.

    Für mich hat Liebe zu verbreiten nichts mit romantischer Liebe zu tun. Für mich heisst Liebe zu verbreiten nicht, dass man sich immer fügen und zu allen in jeder Situation nett sein muss. Grenzen setzen ist manchmal auch Liebe, wenn auch nur die Liebe zu sich selbst. Liebe beginnt immer bei mir selbst. Für mich heisst Liebe präsent zu sein. Für mich ist es nicht nur was ich tue, sondern was ich (innerlich) bin. Es beginnt immer in mir drin. Liebe ist eine Einstellung. Wie behandle ich die Menschen in meinem Leben? Wie behandle ich die Menschen, die nichts für mich tun können? Wie spreche ich mit ihnen? Wie bin ich zu mir selbst? Liebe kann man nie genug geben, nur zu wenig. Und sie kommt zurück, immer. Die Liebe ist eine unendlich grosse Ressource, die Zusammenhalt, Mitgefühl, Freundlichkeit und positive Energie fördert. Liebe ist für mich keine Schwäche, sondern eine bewusste Entscheidung.

    Es macht mir und allen Menschen, denen ich begegne, das Leben schöner, wenn ich liebevoll bin, ganz egal ob zu meinem Partner, meinen Geschwistern oder zur Kassiererin in der Migros. Für mich braucht Liebe keine lauten Gesten, oft sind es sogar die winzigen, atomischen Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Ein Lächeln da, ein Offenes Ohr dort. Unvoreingenommen auf Leute zugehen, den Personen zuhören, die leiden. Wenn ich mich für mein Gegenüber freue. Wenn ich jemandem ein ehrliches, ernst gemeintes Kompliment mache. Zusammen tanzen, sich konstruktiv unterhalten und Haltung zeigen. Ich durfte in meinem eigenen Leben erfahren, was ein Dableiben verändern kann. Wie es mich als Mensch gestärkt hat, als Person geliebt zu werden und wie sehr ich mir das für jedes Wesen dieser Erde wünsche. Spread Love!