Der Begriff «Spread Love» wurde stark durch die Hippie-Bewegung der 60er/70er geprägt, eine Bewegung gegen Gewalt und Krieg. Später wurde er ein Pop- und Social-Media-Slogan und wird oft als Hashtag genutzt. Ja, auch meine Social-Media und mein Blog sind nach diesem Slogan benannt. Doch für mich ist dieser Satz alles andere als leicht, im Gegenteil, er trägt grosses Gewicht in meiner persönlichen Moral und somit bestimmt er unter anderem die Art, wie ich mein Leben führen will. «Spread Love» ist einer meiner persönlichen Werte.
Als ich die Kantonsschule besuchte im Alter von etwa sechszehn Jahren, war ich in einem Freundeskreis mit anderen, gleichaltrigen Mädchen. Sie besuchten dieselbe Schule wie ich, waren jedoch nicht in meiner Klasse. Viele von ihnen kannte ich schon aus der Sekundarschule in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin.
Ich erinnere mich nicht unbedingt gerne an diese Freundschaften zurück, da sie für mich oberflächlich im Gefühl blieben. Wir gingen zusammen in den Ausgang, wo wir dann meistens die Jungs aus unserem Jahrgang trafen und übernachteten anschliessend auch oft beieinander in einer kleinen Gruppe. Das Thema Jungs war zu dieser Zeit immer präsent und machte einen riesigen Teil unserer Gespräche. Ansonsten kann ich mich erinnern, dass ich allgemein kein grosses Vertrauen in diese Freundinnen hatte und wie es in diesem Kreis normal war, dass jede über jede etwas zu sagen hatte (vor allem wenn diejenige nicht dabei war) und wie sich ständig in das Leben aller der Gruppe eingemischt wurde.
In diesem Alter hatte ich bereits einen Account auf Instagram. Es war die Zeit in meinem Leben, in der ich meine Liebe zur Hiphop- und Rapmusik entdeckte. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich und den Songtexten von Oldschool-Liedern zuzuhören war für mich eine Art abschalten zu können. Da schnappte ich das erste Mal die Worte «Spread the Love» auf und trage sie bis heute in meinem Kopf und Herzen. So kam es, dass ich sie in die Biografie von meinem damaligen Instagram-Account schrieb.
Eines Tages an einem Wochenende, waren wir bei einer Freundin zuhause und machten uns bereit für den Ausgang. Da machte sich ein Mädchen lustig über meine Insta-Bio und sagte in einem lächerlichen Unterton: «Spread the Love! Ja genau, spreade und verteile sie einfach so allen in der Welt!» Sie meinte es zynisch und machte klar, dass Liebe für sie etwas war, mit dem man sparsam umging und dass man darauf achten sollte, wann und wem man sie gab.
Als meine damalige Freundin das zu mir sagte, dachte ich mir nur so: Ja. Genau darum geht es! Damals wurde mir klar, dass wir ein völlig anderes Verständnis von Liebe hatten.
Für mich hat Liebe zu verbreiten nichts mit romantischer Liebe zu tun. Für mich heisst Liebe zu verbreiten nicht, dass man sich immer fügen und zu allen in jeder Situation nett sein muss. Grenzen setzen ist manchmal auch Liebe, wenn auch nur die Liebe zu sich selbst. Liebe beginnt immer bei mir selbst. Für mich heisst Liebe präsent zu sein. Für mich ist es nicht nur was ich tue, sondern was ich (innerlich) bin. Es beginnt immer in mir drin. Liebe ist eine Einstellung. Wie behandle ich die Menschen in meinem Leben? Wie behandle ich die Menschen, die nichts für mich tun können? Wie spreche ich mit ihnen? Wie bin ich zu mir selbst? Liebe kann man nie genug geben, nur zu wenig. Und sie kommt zurück, immer. Die Liebe ist eine unendlich grosse Ressource, die Zusammenhalt, Mitgefühl, Freundlichkeit und positive Energie fördert. Liebe ist für mich keine Schwäche, sondern eine bewusste Entscheidung.
Es macht mir und allen Menschen, denen ich begegne, das Leben schöner, wenn ich liebevoll bin, ganz egal ob zu meinem Partner, meinen Geschwistern oder zur Kassiererin in der Migros. Für mich braucht Liebe keine lauten Gesten, oft sind es sogar die winzigen, atomischen Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Ein Lächeln da, ein Offenes Ohr dort. Unvoreingenommen auf Leute zugehen, den Personen zuhören, die leiden. Wenn ich mich für mein Gegenüber freue. Wenn ich jemandem ein ehrliches, ernst gemeintes Kompliment mache. Zusammen tanzen, sich konstruktiv unterhalten und Haltung zeigen. Ich durfte in meinem eigenen Leben erfahren, was ein Dableiben verändern kann. Wie es mich als Mensch gestärkt hat, als Person geliebt zu werden und wie sehr ich mir das für jedes Wesen dieser Erde wünsche. Spread Love!
